Der Parasol ist einer der dankbarsten Pilze für Einsteiger, denn ein ausgewachsenes Exemplar ist groß und unverwechselbar. Junge Exemplare sind dagegen schwieriger zu bestimmen, weil ein unerfahrener Sammler sie mit dem Grünen Knollenblätterpilz verwechseln kann. Diese Verwechslung kann tödlich enden, denn der Grüne Knollenblätterpilz ist für die meisten tödlichen Pilzvergiftungen in Europa verantwortlich.

So sieht ein ausgewachsener Parasol aus
Ein voll entwickelter Parasol oder Riesenschirmling, Macrolepiota procera, erinnert an einen Sonnenschirm auf einem hohen Stiel. Der Hut kann über zwanzig Zentimeter breit werden, ist hellbraun, mit konzentrisch angeordneten, abstehenden Schuppen besetzt und trägt in der Mitte einen deutlichen, dunkleren Buckel. Die Lamellen sind cremeweiß und frei, reichen also nicht bis an den Stiel.
Am sichersten erkennst du den Parasol an zwei Merkmalen des Stiels. Das erste ist das Muster: Der Stiel des Parasols trägt eine braune, schlangenartige Zeichnung, die oft Natternmuster genannt wird. Das zweite ist der Ring, der beim Parasol doppelt, dick und verschiebbar ist. Du kannst ihn mit den Fingern vorsichtig am Stiel auf und ab schieben. Der Grüne Knollenblätterpilz hat keines dieser beiden Merkmale.
So sieht der Grüne Knollenblätterpilz aus
Der Grüne Knollenblätterpilz, Amanita phalloides, hat einen glatten Hut in olivgrünen Tönen, manchmal mit helleren Fasern, ohne die abstehenden Schuppen des Parasols. Die Lamellen sind weiß wie bei einem jungen Parasol, ihre Farbe unterscheidet die beiden Arten also nicht. Der Stiel ist weißlich und manchmal zart olivgrün im Zickzack gebändert, trägt aber nie das braune Natternmuster des Parasols. Der Ring ist dünn und fest.
Das entscheidende Merkmal befindet sich jedoch an der Stielbasis. Der Knollenblätterpilz wächst aus einer häutigen Scheide, der Volva, die den unteren Teil des Stiels wie ein zerrissener Kelch umhüllt. Oft liegt sie unter der Streu verborgen, deshalb musst du den Pilz ganz herausdrehen oder ausgraben und darfst ihn nicht abbrechen. Der Parasol hat keine Volva.
Der Hut trägt abstehende Schuppen und einen dunklen Buckel.
Der Stiel zeigt ein braunes Natternmuster.
Der Ring ist dick, doppelt und verschiebbar.
Die Lamellen sind weiß oder cremefarben, und an der Basis sitzt keine Scheide.
Der Hut ist glatt, olivgrün und hat keine Schuppen.
Der Stiel hat kein Natternmuster, und der Ring ist dünn und fest.
Die Lamellen sind weiß, ihre Farbe allein unterscheidet ihn also nicht vom Parasol.
Der Stiel wächst aus einer häutigen Scheide (Volva).
Vier Fragen, bevor er in den Korb kommt
Hat der Stiel ein braunes Natternmuster? Der Parasol hat es, der Grüne Knollenblätterpilz hat es nicht.
Lässt sich der Ring am Stiel verschieben? Beim Parasol lässt er sich verschieben, beim Grünen Knollenblätterpilz sitzt er fest.
Sitzt an der Basis eine häutige Scheide? Wenn ja, ist es kein Parasol. Lass den Pilz liegen.
Trägt der Hut braune, abstehende Schuppen? Der Parasol hat sie, der Hut des Grünen Knollenblätterpilzes ist glatt.
Das wichtigste Erkennungsmerkmal des Grünen Knollenblätterpilzes, die Scheide an der Basis, steckt fast immer in der Erde. Wenn du einen Pilz knapp über der Streu abbrichst, siehst du dieses Merkmal nicht. Nimm Parasole samt Stielbasis vollständig heraus und sieh dir das untere Ende an, bevor du etwas in den Korb legst, denn nur so erkennst du, ob der Pilz eine Scheide hat.
Eine Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz ist heimtückisch, denn die ersten Beschwerden treten meist erst 6 bis 24 Stunden nach der Mahlzeit auf, wenn die Gifte die Leber bereits schädigen. Wende deshalb die Regel „ich probiere nur ein Stückchen“ hier nie an. Lass den Pilz beim geringsten Zweifel im Wald oder zeig ihn einem Pilzsachverständigen.
Sammle Parasole nur mit offenem, voll entwickeltem Hut, der wie ein Schirm aussieht. Dann sind alle Merkmale gut erkennbar, und die Verwechslungsgefahr ist am kleinsten. Lass junge, geschlossene Exemplare in Trommelschlägelform stehen, bis du dir beim Bestimmen sicher bist.