Der Pfifferling, auch Echter Pfifferling oder Eierschwamm genannt, ist ein Pilz, den alle lieben: Er wird kaum madig, hält sich lange und lässt sich schwer mit etwas Gefährlichem verwechseln. Schwer, aber nicht unmöglich. Es lohnt sich, zwei Pilze zu kennen, die einen Pfifferling vortäuschen können, und das eine Merkmal, das sie entlarvt.

Leisten, keine Lamellen
Der Echte Pfifferling, Cantharellus cibarius, ist am ganzen Fruchtkörper einheitlich gelborange gefärbt, an Hut, Stiel und Unterseite. Der Hut ist zuerst gewölbt, später trichterförmig, mit welligem, eingerolltem Rand. Das wichtigste Merkmal liegt auf der Unterseite: Das sind keine Lamellen, sondern dicke, gegabelte Leisten, also Falten, die fließend weit am Stiel herablaufen. Das Fleisch riecht fruchtig, leicht nach Aprikose, und verfärbt sich nicht blau.
Falscher Pfifferling: ein harmloser Nachahmer
Der Falsche Pfifferling, Hygrophoropsis aurantiaca, trägt seinen Namen zu Recht. Er ist kräftiger orange gefärbt, hat einen samtigen Hut und auf der Unterseite echte, dünne, dichte und regelmäßig gegabelte Lamellen, die sich scharf vom Stiel absetzen. Tödlich giftig ist er nicht, doch bei manchen Menschen verursacht er Magenbeschwerden, und davon abgesehen schmeckt er einfach nicht wie ein Pfifferling.
Gefährlicher ist Omphalotus olearius, der Ölbaumtrichterling, ein Doppelgänger, der büschelig auf Holz und Baumstümpfen wächst, mit scharfen, dichten, ungegabelten Lamellen. In Polen ist er selten und wärmeliebend, doch wer ihn mit einem Pfifferling verwechselt, bekommt eine heftige Vergiftung. Der Schlüssel bleibt derselbe: Lamellen gegen Leisten, und dazu der Untergrund, denn der Pfifferling wächst aus dem Boden, nicht aus Holz.
Einheitlich gelborange, auch Stiel und Unterseite
Dicke, gegabelte Leisten, die am Stiel herablaufen
Geruch fruchtig, leicht nach Aprikose
Wächst aus dem Boden, einzeln oder in Gruppen
Kräftig orange, Hut samtig
Dünne, dichte, regelmäßige Lamellen, scharf vom Stiel abgesetzt
Geruch fade, nicht fruchtig
Oft auf Nadelstreu und morschem Holz
Ein Blick, der genügt
Hutunterseite: dicke, stumpfe, gegabelte Leisten bedeuten Pfifferling, dünne scharfe Lamellen den Falschen Pfifferling.
Übergang zum Stiel: Beim Pfifferling laufen die Leisten fließend herab, beim Falschen Pfifferling enden die Lamellen scharf.
Untergrund: Der Pfifferling wächst aus dem Boden, Büschel auf Holz sind ein Warnsignal.
Geruch: Der Pfifferling duftet fruchtig, die Nachahmer riechen fade oder nach nichts.
Der Pfifferling ist ein Mykorrhizapilz und wächst in Symbiose mit Bäumen aus dem Boden, nie in Massen aus einem Stamm oder einem liegenden Baum. Leuchtend orange Pilze, die büschelig direkt aus Holz wachsen, solltest du mit Misstrauen behandeln, auch wenn ihre Farbe von Weitem noch so verlockend aussieht.
Die gute Nachricht: Sobald du gelernt hast, auf die Leisten statt auf die Farbe zu achten, wird der Pfifferling zu einem der sichersten Pilze im Wald. Genau deshalb wird er Einsteigern empfohlen, doch diese Empfehlung trägt nur, wenn du den Unterschied zwischen Leiste und Lamelle kennst.
Schneide einen Pfifferling der Länge nach durch. Ein echter ist innen hell, faserig und voll, und die Farbe der Leisten geht fließend in den Stiel über. Der Schnitt verrät nebenbei auch mögliche Madengänge, die man bei Pfifferlingen ohnehin selten findet.