Nach einem Wolkenbruch fahren viele Sammler schon am nächsten Tag in den Wald und kommen mit leerem Korb zurück. Das Myzel braucht Zeit: Nach dem Regen legt es Fruchtkörper an, und diese brechen erst einige Tage später durch die Streu. Dieser Ratgeber beschreibt, wovon das Pilzwachstum abhängt und wie du am Wetter der letzten zwei Wochen erkennst, ob sich ein Ausflug am nächsten Wochenende lohnt.

Ein Fruchtkörper braucht Zeit
Sammler ernten Fruchtkörper, die aus dem Myzel wachsen. Das Myzel, ein Geflecht aus Fäden in Boden und Streu, ist der eigentliche Pilz und lebt viele Jahre am selben Ort. Kräftiger Regen nach einer Trockenzeit regt das Myzel zum Wachstum an, doch Fruchtkörper entstehen nicht über Nacht. Das Myzel bildet zuerst Anlagen, die erst später durch Nadeln und Moos brechen. Bei den meisten Arten mitteleuropäischer Wälder erscheinen die ersten Fruchtkörper etwa eine Woche nach dem Regen, und die meisten wachsen zwischen dem 7. und 12. Tag.
Regen von vor zwei oder drei Tagen zeigt sich noch nicht in Fruchtkörpern. Die Streu ist nass, aber das Myzel legt die Fruchtkörper gerade erst an.
Die beste Zeit beginnt etwa eine Woche nach dem Regen und dauert einige Tage. Dann erscheint die erste und meist stärkste Welle von Fruchtkörpern.
Nach zweieinhalb Wochen ohne weiteren Regen trocknet die Streu aus, und das Wachstum klingt ab.
Entscheidend ist die Regenmenge in diesem Zeitraum. Der Index in der App gibt dem Regenanteil den vollen Wert, sobald die gewichtete Summe 25 Millimeter erreicht.
Die Grafik zeigt, wie die App Niederschlag im Bedingungsindex gewichtet. Regen der letzten drei Tage hat das Gewicht null. Regen von vor 7 bis 12 Tagen hat das größte Gewicht, und nach 18 Tagen zählt Regen nicht mehr.
Temperatur, Frost und Luftfeuchtigkeit
Regen allein reicht nicht: Die meisten Arten fruktifizieren am besten, wenn die Durchschnittstemperatur der letzten Woche etwa zwischen 10 und 20 °C liegt. Bei Hitze trocknet die Streu aus, bevor das Myzel das Wasser nutzen kann, und bei Kälte verlangsamt sich das Wachstum deutlich. Frost stoppt bei den meisten Arten die Bildung von Fruchtkörpern, obwohl Samtfußrübling und Austernseitling auch an frostigen Tagen fruktifizieren. Feuchte Luft mit über 80 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit hält die Streu länger nass.
Wetter und Saison wirken zusammen
Nach demselben Regen wachsen im Mai andere Arten als im September. Im Frühjahr erscheinen nach Regen Morcheln und Verpeln, im Herbst Steinpilze, Maronen-Röhrlinge und Hallimasch. Deshalb prüfst du die Bedingungen immer zusammen mit dem Saisonkalender. Der Kalender zeigt, welche Arten in einer Woche Saison haben oder auf dem Höhepunkt sind, und der Bedingungsindex zeigt, ob das Wetter sie begünstigt. Ende September ist die artenreichste Zeit des Jahres: Dann haben über 60 essbare Arten aus dem Atlas Saison.
Der Kalender zeigt jede Art aus dem Atlas Woche für Woche: wann ihre Saison beginnt, wann sie den Höhepunkt erreicht und wann sie endet. Daneben stehen die giftigen Doppelgänger, die zur selben Zeit wachsen.
Der Bedingungsindex in der App
Die App Grzybiarz wendet diese Regel automatisch an. Die Karte „Pilzbedingungen“ nutzt die Messwerte der nächsten von 59 synoptischen Stationen des polnischen Wetterdienstes IMGW oder einer Station, die du selbst wählst, zum Beispiel der Station in der Nähe des Waldes, in den du fährst. Aus diesen Messwerten berechnet die App einen Wert von 0 bis 100. Ab 70 sind die Bedingungen günstig, von 40 bis 69 können Pilze wachsen, und unter 40 sind die Bedingungen schwach.
Neben dem Wert stehen immer seine Bestandteile: der gewichtete Niederschlag von vor 3 bis 18 Tagen, die Durchschnittstemperatur der Woche, Frost und Luftfeuchtigkeit. Die Karte beschreibt außerdem den wichtigsten Regen in einem Satz.
Der Streifen mit dem Wert für heute und die nächsten fünf Tage beruht auf der Wettervorhersage. Regen, der für heute angesagt ist, hebt den Wert erst einige Tage später. Deshalb zeigt der Streifen, ob das nächste oder das übernächste Wochenende besser aussieht.
Die Benachrichtigung zu den Bedingungen nach Regen kommt, wenn es an der gewählten Station nass und warm wird. Die App wählt die Station auf dem Handy und sendet deinen Standort nirgendwohin.
Eine neue Station braucht 18 Tage Messwerte, bevor sie einen Wert zeigt. Bis dahin meldet die Karte, dass sie Daten sammelt.
Die Messwerte stammen vom IMGW-PIB, und die Vorhersage stammt von OpenWeather. Die App speichert den letzten Wert, sodass du ihn auch im Wald ohne Empfang siehst.
Was der Index nicht berücksichtigt
Der Index beschreibt das Wetter an einer Messstation und berücksichtigt keine Besonderheiten eines bestimmten Waldes wie Gelände, Bodenart, Bestandsdichte oder ein örtliches Gewitter, das die Station nicht erfasst hat. Er zeigt keine Fundorte und sagt kein Wachstum einer bestimmten Art voraus. Er gibt an, ob es rund um die Station zuletzt nass und warm genug war, damit das Myzel Fruchtkörper bilden kann. Alle Stationen liegen in Polen, daher hilft der Index in Deutschland nur nahe der polnischen Grenze. Deshalb zeigt die App immer die Bestandteile des Werts und überlässt dir die Einschätzung des Waldes.
Wetter, das Steinpilze und Riesenschirmlinge begünstigt, begünstigt auch den Grünen Knollenblätterpilz und den Satansröhrling. Auf dem Höhepunkt der Saison wachsen im Wald die meisten Arten gleichzeitig, und damit steigt auch das Risiko einer Verwechslung. Der Saisonkalender zeigt, welche giftigen Doppelgänger in einer bestimmten Woche zusammen mit den essbaren Arten wachsen. Bei jedem Zweifel lässt du deine Ernte von einer Pilzsachverständigen oder einem Pilzsachverständigen prüfen.
Notiere die Tage mit kräftigem Regen und die Daten deiner ersten Funde. Nach ein oder zwei Saisons erkennst du Regelmäßigkeiten an deinen eigenen Stellen: In manchen Wäldern erscheinen die Fruchtkörper eine Woche nach dem Regen, in anderen Wäldern auf Sandboden trocknet die Streu schneller aus, und du fährst deshalb früher hin. Das Fundtagebuch in der App speichert Datum und Ort automatisch, und der Kalender zeigt dir später, was du vor einem Jahr um diese Zeit gefunden hast.